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TIPPING POINTS

Die Verwundbarkeit unseres Erdsystems


Immer wieder ist im Zusammenhang mit dem Klimawandel davon zu hören: Kipp-Punkte oder Tipping Points. Aber was ist das genau?


Hierbei geht es um Elemente im globalen Klimasystem, die in einen neuen Zustand versetzt werden, wenn eben die Tipping Points überschritten werden. Einfach ausgedrückt, geht es dabei um Schwellen im Erdsystem. Wenn ein Element durch das bestehende Klima bereits kurz vor dem Überschreiten des Tipping Points steht, führen oft schon kleine Störungen zur Veränderung des Zustands. Werden einzelne Kipp-Punkte überschritten, kann das zu weitreichenden Umweltauswirkungen führen.


Solche Änderungen können sich auch abrupt vollziehen und sind zum Teil unumkehrbar . Außerdem können Veränderungen wiederum zu Rückkoppelungen führen und weitere Auswirkungen verstärken. So kann es zu einer Kettenreaktion und zu selbst-verstärkenden Prozessen kommen, die, wenn sie einmal angestoßen sind, auch ohne weiteren Einfluss ihren Lauf nehmen. Entsteht ein solcher Domino-Effekt beim Überschreiten der Kipp-Punkte, könnte das globale Klima in eine „Heißzeit“ geschleudert werden.


Die Abbildung zeigt, dass es zahlreiche Kippelemente im Erdsystem gibt. Diese lassen sich in drei Kategorien einteilen:

- Eiskörper

- Strömungs- bzw. Zirkulationssysteme der Ozeane und der Atmosphäre und - Ökosysteme von überregionaler Bedeutung.


Die Fragezeichen in der Grafik weisen darauf hin, dass der Status der Systeme als Kippelement noch nicht wissenschaftlich gesichert ist.


Es wird wieder einmal deutlich, dass die Menschheit in ein komplexes System eingreift. Eiskörper, Strömungs- bzw. Zirkulationssysteme, Ökosysteme – alles greift ineinander und schafft eine Umgebung, in der (menschliches) Leben möglich ist. Im Moment sind wir jedoch am besten Weg, kritische Kipp-Punkte zu erreichen bzw. zu überschreiten. Studien zeigen beispielsweise, dass der Grönländische Eisschild von einem erheblichen Gletscherrückgang betroffen ist. Selbstverstärkende Prozesse wurden bereits in Gang gesetzt. Und das hat nicht nur negative Auswirkungen auf die dort beheimateten Eisbären, sondern auf das globale Klima.


„Was in der Arktis geschieht, bleibt nicht in der Arktis.“

Stefan Rahmstorf, Klima- & Meeresforscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung


Bereits heute beeinflussen die Veränderungen in der Arktis unser Klima. Die Temperaturdifferenz zwischen den Subtropen und der Arktis sind ein wichtiger Treiber für das Wetter in den mittleren Breiten. Wenn die Erwärmung der Arktis voranschreitet, wird jedoch das Temperaturgefälle kleiner und es ist kein großer Ausgleich notwendig. Die Folge ist, dass sich der polare Jetstream – ein Starkwind - abschwächt, insbesondere im Sommer. In den Wellen des Jetstreams sind normalerweise Hoch- und Tiefdruckgebiete eingebettet. Schwächt der Jetstream ab, wird das Wetter im Sommer stabiler. Das heißt, dass bestimmte Wetterlagen länger andauern. Dürreperioden oder anhaltende Regenzeiten sind die Folge und führen zu erheblichen ökologischen und wirtschaftlichen Schäden.


Der abgeschwächte Jetstream ist nur ein Effekt von vielen. Das Abschmelzen des Grönländischen Eisschilds trägt beispielsweise auch wesentlich zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Welche Auswirkungen noch folgen und wie schnell sich diese vollziehen ist zum Teil noch nicht genau bekannt. In der Vergangenheit hat sich jedoch oft gezeigt, dass Veränderungen schneller und stärker stattfinden als erwartet.


Die Tipping Points können uns helfen, die Zusammenhänge im Erdsystem und die Auswirkungen unseres Handelns besser zu verstehen. Sie zeigen uns aber auch deutlich, dass ein Eingreifen in das System nicht ohne Folgen bleibt.




Weitere Informationen und Quellen

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